aus alten Zeiten.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts lebte in Yorkshire ein Mann, der einen Bauernhof besaß. Eines Sommermorgens machte sich früh mit zwei oder drei seiner Männer auf zur Heuernte.

Ein weißer Nebel lag auf dem Land, und es war kühl.
An einer Seite der Wiese verlief ein Elfenweg, begrenzt von hohen Weißdornhecken. Auf dem Weg wuchsen hohes Gras und kleine Schösslinge, und auch am sonnigsten Tag war es dort düster und schattig.
Nie zuvor hatte der Bauer jemanden auf dem Elfenweg gesehen, doch als er und seine Männer an diesem Morgen aufblickten, sahen sie eine Gruppe Menschen den Weg entlanggehen.


Fotos: © Dagmar Hiller

Ihre Gesichter waren merkwürdig und sie waren sonderbar gekleidet. Einer von ihnen, ein Mann, ging den anderen voran. Er verließ den Weg und kam auf die Wiese. Er war schwarz gekleidet, jung und gut aussehend; und obwohl sie ihm nie zuvor begegnet waren, erkannten ihn der Bauer und seine Männer sofort – es war der Zauberer-König John Uskglass. Sie knieten vor ihm nieder und er hieß sie aufstehen. Er erklärte, dass er sich auf einer Reise befände, und sie brachten ihm ein Pferd, Essen und Trinken. Sie holten ihre Frauen und Kinder und John Uskglass segnete und entlohnte sie.

Der Bauer blickte zweifelnd zu den seltsamen Menschen, die auf dem Elfenweg geblieben waren; John Uskglass sagte dem Bauern, dass er nichts zu befürchten habe. Er versprach ihm, dass die Leute ihm nichts tun würden. Dann ritt er davon. Die seltsamen Menschen blieben noch ein wenig dort stehen, aber als die ersten Sonenstrahlen der kräftigen Sommersonne auf sie fielen, verschwanden sie mit dem Nebel.

Also, falls ihr euch an einem Dunstigen Sommermorgen auf einer verwunschenen Waldlichtung befinden solltet und im Dunst seltsame Gestalten seht, keine Bange.
Es sind nur zauberhaften Elfenwesen, die auf der Rückkehr von nächtlichen Treffen nach Hause sind …

Von Dagmar Hiller, 19. Mai 2015, 22:36 Uhr

die Hennen glucksen.

Veilchen raus – und weiße Buxen.
Frauen schnüren sich geringer,
und der Bauer schiebt den Dünger.
Fliegen klettern unverdrossen
auf den Nasensommersprossen.

Ringsum blüht’s an allen Hecken -
und es riecht aus den Ap’theken.
Ich steck mir voll Übermut
‘nen Sonnenstrahl an meinen Hut.
Freudig jubeln und frohlocken
Kirchen-, Kuh- und Käseglocken.


Fotos: © Dagmar Hiller

Frühling wird’s mit Vehemenz.
Auf grünen Filzpantoffeln naht der Lenz!
Fred Endrikat 1890-1942

Von Dagmar Hiller, 17. Mai 2015, 22:38 Uhr

hast du schon einmal versucht ‘nichts’ zu tun?
Wirklich ‘nichts’?
Jetzt sagst du bestimmt klar, mache ich doch – ich lese, schaue fern oder höre Musik, etc…
Nein nein, das meinte ich nicht.
Ich meine nichts, absolut gar nichts zu tun. Indem wir lesen, Musik hören oder sonstwas tun – wir beschäftigen dabei unsere Sinne.

Nichtstun heißt für mich – mit geöffneten Augen einfach dasitzen und nur schauen – ins absolute ‘nichts’. Ich sehe dann wirklich nichts. Nur so leert sich, entspannt sich der Geist wirklich. Solltest du die Augen schliessen wollen, lieber nicht. Weil – in genau dem Moment, wo du die Augen geschlossen hast, schon die ersten Gedanken in deinem Geist anklopfen.
Aber versuch das mal – nur schauen ohne zu denken, es ist gar nicht so einfach – das Nichtstun! Aber nachdem Du es probiert hast – es ging ganz sicher auch bei dir – hier nun dein Dankeschön an dich zur Seelenentspannung.
Erinnere dich…
hast du schon mal bei Nebel ins Morgenlicht geschaut? Gerade dann, wenn die Sonne versucht diesen Nebel aufzulösen? Es ist absolut fantastisch.

Das Licht ist hell, sehr hell. Aber trotzdem siehst du schemenhaft die Konturen der Bäume, Sträucher. Und in dem zaghaften Sonnenlicht glitzert und spiegelt es in den feinen Wassertröpfchen und du siehst zigtausend kleine Regenbogen – wenn du genau hinschaust…
Am Besten du versuchst es einmal, so einen frühmorgentlichen Spaziergang. Er muss ja nicht lang sein, vielleicht ein halbes Stündchen?
Dann siehst du direkt was ich meine…
Jetzt ist gerade die passende Jahreszeit – Morgennebel fast jeden Tag. Wenn du früh genug bist. Und so ein frühmorgentlicher Spaziergang tut sehr gut, bevor du dich wieder in den Arbeitsalltag stürzt. Aber nun – machen wir das einfach mal mental, für deine Seele. Einen Lichtspaziergang am frühen morgen…
die Vorbereitung dazu war das absolute Nichtstun – so lange, bis deine Gedanken wieder bei dir anklopften. Schliesse jetzt deine Augen. Die Gedanken schickst du nun bitte weg und stellst dir bewusst, mit allen deinen Sinnen vor:


Fotos: © Dagmar Hiller
du stehst mit nackten Füssen auf einer Wiese – fühlst du das taufeuchte Gras unter deinen Fußsohlen? Hast du den Duft des frühen Morgens schon in deiner Nase? Noch nicht? Doch doch, er ist gleich da, gleich riechst du ihn auch – den Morgen.
Fühlst du das nebelfeuchte Streicheln in deinem Gesicht? Ganz zart, wie Elfenhände…
Und nun stell dir bitte die Bilder vor, die ich vorhin beschrieben habe…
sieh sie, fühle sie und geniesse sie. Lass dir Zeit, viel Zeit…
Und schau – siehst du es auch?
Jetzt verdampft die Feuchtigkeit, der Nebel löst sich ganz langsam auf. Der Himmel leuchtet und die Sonne strahlt!

Dein Blick sieht die Natur nun klar und deutlich und – du bist hellwach und erfrischt!
Dein wunderbarer Tag kann beginnen!
Text © Dagmar Hiller

Von Dagmar Hiller, 13. Mai 2015, 17:16 Uhr

wann hast du das letzte Mal eine Wiese voller Margeriten gesehen – hast dich mitten hineingesetzt oder -gelegt, dir die Blumen von unten angeschaut – den Sommertag genossen, den Vögeln am Himmel zugeschaut und in die Sonne geblinzelt…
noch nie oder schon ewig her? Ich dachte, solch bunte Blumenwiesen gibt es nicht mehr.


Fotos: © Dagmar Hiller
Oh doch, es gibt sie noch…
gestern war ich mit dem Rad unterwegs und habe vor einer solchen weiß getupften Wiese gestaunt, fast ergriffen war ich von dieser Blütenpracht. So wunderschön, so etwas Seltenes und ich hab mich von ganzem Herzen darüber gefreut.

Für mich waren Margeriten schon immer die Vorboten des Sommers. In meiner Kinderzeit gab es diese Wiesen überall, Margeriten – Mohn – und Kornblumenwiesen. Oder sind es nur die nostalgische Erinnerungen? Vielleicht…

Aber tatsächlich gibt es hier auf der Schwäbischen Alb noch so etwas wie eine ‘heile Welt’. In der Natur und mit den Menschen. Und so etwas Schönes wie Nachbarschaftshilfe habe ich hier, nach so vielen Jahren Stadtleben erstmals kennengelernt.
Wunderschön ist das alles und es tut so gut. Balsam für die Seele, für das Herz und die Geschenke der Natur dazu, für die Augen.

Nach meiner Wiesenbetrachtung hab ich mir dann ganz spontan ein Plätzchen gesucht, wo ich nicht zu viel von dieser Sonnenkinderschar zerdrücke. Habe mich hineingesetzt in diesen weißen Traum und nur geschaut. Ich war richtig glücklich. Ein Fest für meine Sinne…
Dann hab’ ich mich spontan auf den Rücken gelegt und meine Seele baumeln lassen. Habe geträumt wie ein Kind.

Ach komm doch mit, ich teile diese Schönheit, dieses Wohlfühlen gerne mit dir… wo immer du dich auch gerade befindest komm, träume mit mir.
Setze dich auf deinem Stuhl oder Sessel aufrecht hin, schliesse deine Augen und träume von blauem Himmel mir weißen Wölkchen, von der Sonne die dir ins Gesicht scheint, von einem lauen Wind der die Blüten und Halme neben deinem Ohr knistern lässt…
Sommersonnenträume.

Spürst du es? Dein Herz wird weit, deine Atemzüge sind tiefer, du atmest langsamer und ruhiger…
dieses Wohlfühlen zaubert ein Lächeln in dein Gesicht und du bist – glücklich. Glücklich, egal welche Sorgen dich gerade plagen. Nur der Moment zählt, das hier und jetzt und dein präsent sein.
Ganz tief und kraftvoll – in dir.
Deine Gedanken sind verschwunden, du spürst nur noch dein Sein. Hörst das Summen der Bienen in den Blüten, nimmst den leichten Wind im Sonnenkinderblütenmeer wahr und du fühlst grenzenlose Leichtigkeit  und inneres Losgelöstsein von allen Sorgen.
Träume deinen Traum…
Text © Dagmar Hiller

Von Dagmar Hiller, 9. Mai 2015, 00:55 Uhr

ein weiser Meister stellte seinen Schülern einmal die Frage:
‘wie bestimmt man die Stunde, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?’

Einer der Schüler antwortete:
‘vielleicht ist es der Moment, in dem man einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?’
Der Meister schüttelte den Kopf.
‘Oder vielleicht dann, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?’
Der Meister schüttelte wieder den Kopf.
‘Aber was ist es dann?’
Der Meister antwortete:


Fotos: © Dagmar Hiller

‘es ist dann, wenn ihr in das Gesicht eines beliebigen Menschen schaut und darin eure Schwester oder euren Bruder erkennt.
Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.’
eine weise Geschichte aus China

Von Dagmar Hiller, 3. Mai 2015, 19:22 Uhr