für Marija
unaufhörlich trommelt der Regen gegen die Fensterscheiben, grau in grau zeigt sich der Tag, es wird einfach nicht heller. Das Wetter ist dumpf, wie in einem uralten Kellergewölbe.
Die Stimmung in dir ist vielleicht ebenso. Trüb, traurig, hoffnungslos, du fühlst dich in dir, als gäbe es kein helles Lichtlein mehr …

Dann stell dir doch einfach einen Regenbogen vor …
sieh die leuchtenden Farben, lass jede Einzelne vor deinem inneren Auge aufgehen und groß werden. Lass sie strahlen …
du weißt ja, zu Beginn und am Ende eines Regenbogens steht ein Topf mit Gold und wartet auf seinen Finder, so erzählt es die Sage …

Nun verändern wir das Bild.
Anstatt des Goldtopfes stehst nun du dort.
Zu Beginn des Regenbogens, inmitten der leuchtenden Farben. Das Gras, in dem der Regenbogen beginnt, strahlt in reinem Gold.


Fotos: © Dagmar Hiller

Und um dich herum leuchten die Farben. Such dir nun eine aus, halte deine Hand in die Farbe die du siehst und schau sie dir an, deine wunderschöne Hand … sieh nur, als ob sie überzogen wurde von einem schimmernden Film zarter, durchsichtiger Farbe. Du kannst sie sogar fühlen, diese Farbe. Wenn du es willst. Zart streichelt sie deine Haut, umhüllt sie, bewegt sich um dich wie ein farbiger Nebel.
Jede Farbe fühlt sich anders an … lass deiner Fantasie freien Lauf. Probiere jede Farbe aus, jede spürst du anders. Die eine belebt, die andere macht dich ruhig, die nächste freudig …

Hast du gesehen lieber Mensch, der Regen hat aufgehört und du hast es nicht einmal bemerkt … so vertieft warst du in dein Spiel mit den Regenbogenfarben!
Auch in dir ist es heller geworden, spürst du es? Lebe deinen Regenbogen, immer wieder. Spiele mit ihm … ich wünsche dir noch einen wunderbaren, farbigen Tag.

Von Dagmar Hiller, 30. Juli 2014, 16:09 Uhr

“das Glück besteht darin,
zu leben wie alle Welt und doch


Foto: © Dagmar Hiller

wie kein anderer zu sein.”
Simone de Beauvoir

Von Dagmar Hiller, 26. Juli 2014, 16:59 Uhr

und plötzlich sind sie da, die Erinnerungen.
Ich freue mich darüber, sie sind für mich etwas wunderschönes.
Und sie kommen oft so völlig überraschend …

man riecht etwas und plötzlich hat man die Erinnerung an früher, an ein Erlebnis oder an einen Menschen.
Man hört ein Musikstück von früher, vielleicht als man noch Teenie oder schon ein junger Erwachsener war …
und da ist sie, die Erinnerung: das Konzert in dem man vor diesen vielen Jahren war. Mit diesem daran denken beginnt eine Kettenreaktion,
man erinnert sich … der Mensch, der neben einem stand oder saß, fällt einem wieder ein. Man erinnert sich sogar an das Aussehen, an sein Lächeln, seine Begeisterung.
Sie war so ansteckend, dass man mitgerissen wurde. Vieles andere von diesem Abend fällt einem noch ein. Und plötzlich – ist sie da, die gute Laune. Man summt ein Lied der Gruppe, die so begeistert hat, singt es vielleicht erst leise, dann aus vollem Hals, tanzt dazu, was für ein fantastischer Moment!
Wir brauchen diese Art der Erinnerung. Sie macht uns frei, froh und gibt uns Leichtigkeit.
Doch leider erinnern wir Menschen uns ja eher an das Schlechte, als an das Gute. Aber es war nicht alles schlecht!
Man kann das positive Erinnern trainieren, das habe ich mir beigebracht und kann es nur empfehlen.
Wenn ich merke, dass meine Laune schwankt, suche ich mir bewusst eine schöne Erinnerung.
Eine, die mich aussergewöhnlich glücklich gemacht hat, oder mich zum Lachen gebracht hat und Schwupps, saust meine schlechte Laune aus dem Keller in den Himmel ;-)


Foto: © Dagmar Hiller

Fang doch auch damit an, vielleicht sogar jetzt gleich?
Es geht recht einfach. So habe ich auch begonnen, zum Beispiel mit einem Geruch.
Nimm eine Rose, auch wenn sie schwach duftet, sie duftet. Und dann versuche dich zu erinnern, was verbindet dich mit dem Duft, was fällt dir dazu ein. Ein Urlaub, oder ein Mensch, ein Erlebnis vielleicht?
Lass deine Erinnerungen frei, lass sie uneingeschränkt laufen, sie zeigen dir die schönen Momente deiner Vergangenheit, die zu diesem Rosenduft gehören …
deine Erinnerung macht dich weich, glücklich, friedlich, sie schenkt dir im Heute einen wunderbaren Moment …
oder vielleicht sogar einen ganzen langen Tag …

Von Dagmar Hiller, 21. Juli 2014, 19:16 Uhr

Rötlich dämmert es im Westen,
und der laute Tag verklingt,
nur dass auf den höchsten Ästen
lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
wo es still verborgen blieb,
rüstet sich das Volk der Schnecken
für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne,
schwach nur ist das Augenlicht,
dennoch schon aus weiter Ferne
wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
immer auf dem nächsten Pfad,
finden sie die Gartenbeete
mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen,
bis zum Morgensonnenschein,
nagen sie geheim und dringen
tief ins grüne Herz hinein.


Fotos: © Dagmar Hiller

Darum braucht die Köchin Jettchen
dieses Kraut nie ohne Arg,
sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
ihres lieben gnädgen Herrn,
Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
mag der alte Kerl nicht gern.
Wilhelm Busch 1832 – 1908

Von Dagmar Hiller, 17. Juli 2014, 17:44 Uhr

wenn es so laut ist um mich herum, wenn Hektik und Anforderungen mich drehen lassen wie einen alten Brummkreisel, dann brauche ich zum Ausgleich Stille.
Die zu finden ist oft nicht möglich, wenn das Leben um einen herum pulsiert. So hole ich mir die Stille aus mir. Eins meiner inneren Bilder ist diese versteckte Bank, die ich auch in der Wirklichkeit aufsuche.
An diesem Ort ist es so still, dass ich die Stille hören kann.


Fotos: © Dagmar Hiller
Habe ich Zeit, laufe ich dort hin und gehe in eine meiner langen Tiefen-Meditationen.
Fehlt mir die Zeit, habe ich gelernt parallel zum Alltag die Stille mit einem inneren Bild in mir wachsen zu lassen. Am Anfang kippt man gern, weil die Geräusche um einen herum ablenken. Doch mit Geduld und genügend Training geht es, und man bleibt in sich.

Du könntest diese Art des Rückzugs ja einmal versuchen, es gibt viele schöne Orte mit stillen, verwunschene Bänken.
Geh dir eine Bank suchen und hast du sie gefunden probiere aus, ob du geschützt dort sitzen kannst. Oder vielleicht kennst du ja schon ein schönes Plätzchen, dann stell es dir mit deinem inneren Sehen vor:

“In meinem Denken und Fühlen sitze ich auf meiner Bank.
Ich spüre die warme Lehne an meinem Rücken, ich rieche das Holz. Ein trockener, sonniger Geruch. Von der Sonne aufgeheizt die Sitzfläche, auf der ich mich niedergelassen habe.
Nun lege ich meine Handflächen auf den Sitz, spüre das angewärmte Holz unter meinen Händen.
Fühle die Ruhe, die ich dadurch aufnehme und die sich auf meinen gesamten Körper überträgt. Spüre, wie Frieden in mir aufsteigt, sich ausbreitet. In mir ist nichts mehr, nur Stille.
Die sich nun in Liebe verwandelt und in grenzenlose Weite …
ich lasse geschehen, ich spüre mich …
Ich Bin!”

Vor vielen Jahren habe ich diese Art der Regeneration während meiner Ausbildungszeit gelernt. Habe sie vereinfacht und gebe sie heute in einer Alltagstauglichen Form an meine Schüler weiter.
Zwischen den Behandlungen an meinen Praxistagen habe ich sehr wenig Zeit zum Ausruhen. Diese Kurzform der Tiefenentspannung zwischen den Terminen reicht aus, mich erfrischt, gestärkt und voller Energie dem nächsten Klienten widmen zu können.

Einen kleinen Eindruck des inneren Aufbaus bekommt man in meinen Workshops, da üben wir diese Kurzform des Rückzugs.
Klappt bei fast jedem schon das erste Mal.

Von Dagmar Hiller, 11. Juli 2014, 17:35 Uhr